Pfeil Home arrow Geschichte arrow Kurt von Hammerstein- Equord

Kurt von Hammerstein- Equord PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Administrator   

Kurt von Hammerstein-Equord

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche
Kurt Gebhard Adolf Philipp Freiherr von Hammerstein-Equord (1878-1943)
vergrößern
Kurt Gebhard Adolf Philipp Freiherr von Hammerstein-Equord (1878-1943)

Kurt Gebhard Adolf Philipp Freiherr von Hammerstein-Equord (* 26. September 1878 in Hinrichshagen, Mecklenburg-Strelitz; † 24. April 1943 in Berlin) war ein deutscher General und gehörte zum militärischen Widerstand gegen Adolf Hitler.

Hammerstein-Equord wurde am 26. September 1878 in Hinrichshagen geboren. Er entstammte altem Adel, der bereits einige bekannte Offiziere hervorgebracht hatte. Es war deshalb nicht überraschend, dass auch er den Soldatenberuf ergriff. Seine Eltern waren der Großherzoglich-Mecklenburg-Strelitzische Oberförster Heino Hammerstein und Ida von Gustedt. Er trat nach seiner schulischen Ausbildung mit zehn Jahren in das Kadettenkorps in Plön ein und kam dann über die Hauptkadettenanstalt Lichterfelde zum "3. Garderegiment zu Fuß", wo er 1898 zum Leutnant befördert wurde.

In dieser Einheit diente zu dieser Zeit auch der spätere Reichskanzler Kurt von Schleicher (1882-1934) und die beiden Männer standen sich bald sehr freundschaftlich gegenüber. In diesem Zeitraum heiratete Hammerstein auch die Tochter des Generals Walther von Lüttwitz (1859-1942). Aus der Ehe sollten vier Töchter und drei Söhne hervorgehen. Von 1907 bis 1910 besuchte Hammerstein die Preußische Kriegsakademie und wurde danach in der Aufmarschabteilung des Großen Generalstabes.

Während des Ersten Weltkrieg (1914-1918) diente er zuerst als Adjutant des Generalquartiermeisters und danach als Generalstabsoffizier in verschiedenen Truppenteilen. Dabei verfasste er 1914 die ersten Heeresberichte aus dem Großen Hauptquartier. Zwischenzeitlich hatte er auch eine Kompanie in Flandern geführt und war dabei mit dem Eisernem Kreuz ausgezeichnet worden.

Nach der Niederlage wurde Hammerstein in die Reichswehr übernommen. Er übernahm bald eine Stelle als Bataillonskommandeur im Raum München. Im Jahre 1924 erfolgte seine Versetzung zum Stab des Wehrkreis III (Berlin). Nach einer kurzen Verwendung im Gruppenkommando I (1929) wurde er am 1. Oktober 1929 als Generalleutnant zum Chef des Truppenamtes ernannt. Das Truppenamt fungierte als Nachfolger des von den Alliierten im Versailler Vertrag verbotenen Großen Generalstabs. In dieser Funktion erarbeitete er taktische Konzepte für die Reichswehr, die bei einem gegnerischen Angriff eine hinhaltende Verteidigung vorsahen bis der Völkerbund eingreifen würde. Im Jahre 1930 entstand unter seiner Leitung der erste theoretische Mobilmachungsplan seit 1923, welcher die Verdreifachung der 7 Infanterie-Divisionen der auf 21 vorsah.

Als der Chef der Heeresleitung, Generaloberst Wilhelm Heye, altersbedingt aus dem Amt schied, setzten Staatssekretär Kurt von Schleicher und Reichswehrminister Wilhelm Groener mit Unterstützung des Reichskanzlers Heinrich Brüning die Ernennung Hammersteins zu seinem Nachfolger durch. Am 1. November 1930 trat er unter gleichzeitiger Beförderung zum General der Infanterie diesen neuen Posten an. Nach der "Machtergreifung" Adolf Hitlers war es Hammersteins Ziel eine politisch unabhängige Reichswehr zu erhalten. Schon im Februar 1933 versuchte Hitler bei einem Zusammentreffen zwischen ihm und höchsten Vertretern der Reichwehr im Hause Hammersteins, die Generalität von seinen Plänen zu überzeugen. Später schrieb Hitler, bei dieser Gelegenheit hätte er das Gefühl gehabt gegen eine Wand zu reden.

Hammersteins Position wurde immer schwieriger, da inzwischen General Werner von Blomberg als neuer Reichswehrminister immer wieder in die Belange der Heeresleitung eingriff. Unter Blomberg wurden die Truppen der Reichswehr systematisch mit nationalsozialistischem Gedankengut indoktriniert und da Hammerstein keine Lösung fand, um dem entgegenzuwirken, resignierte er schließlich. Am 27. Dezember 1933 reiche er seinen Entlassunggesuch ein und wurde am 1. Februar 1934 durch Generalleutnant Werner Freiherr von Fritsch abgelöst. Er schied damit im Rang eines Generaloberst aus der Reichswehr aus.

In die Zeit der Führung des Heeres durch Hammerstein fiel 1930 die Organisation des ersten Aufrüstungsprogramms der Reichswehr, das die Aufstellung von mindestens 42 Divisionen vorsah. Ebenfalls wurde er schon 1933 von Blomberg damit beauftragt Pläne für die Wiedereinführung der Wehrpflicht zu erstellen, die allerdings erst 1935 umgesetzt wurden.

Nach seinem Ausscheiden verhängte General von Blomberg einen inoffiziellen Boykott über Hammerstein: Kein Abteilungschef des Reichswehrministeriums durfte ihn besuchen, ohne Gefahr zu laufen Repressalien zu erleiden. Hammerstein hielt sich in den folgenden Jahren aus der Politik heraus, knüpfte allerdings Kontakte zum militärischen Widerstand gegen Hitler innerhalb der Wehrmacht.

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde Hammerstein noch einmal reaktiviert. Während der Großteil der Wehrmacht im Polenfeldzug gebunden war kommandierte er seit dem 9. September 1939 die Armeeabteilung A an der deutschen Westgrenze, die den Auftrag hatte einen Vorstoß der West-Alliierten auf das Reichsgebiet zu verhindern. Die alliierte Offensive blieb aus und schon am 24. September wurde Hammerstein wieder in den Ruhestand versetzt. Es gibt Spekulationen, dass Hammerstein während dieser Zeit einen Anschlag auf Hitler vorbereitet hätte, der bei einem Frontbesuch stattfinden sollte (Der Besuch Hitlers entfiel jedoch.) Diese beruhen ausschließlich auf der sehr widersprüchlichen Aussage eines einzigen britischen Agenten, der diese später in einem Buch veröffentlichte (Schlabrendorff: The Secret War against Hitler, London 1965) Andere Beweise fehlen völlig, so dass die Geschichtswissenschaft nicht von einem geplanten Anschlag ausgeht.

General von Hammersteinn-Equord blieb über den Kaufmann Nikolaus Christoph von Halem trotzdem in Verbindung mit dem Widerstand, bis er am 24. April 1943 in Berlin an Krebs starb. Zwei seiner Söhne, Kunrat und Ludwig, waren jedoch am 20. Juli 1944 aktiv am Putsch gegen Adolf Hitler beteiligt.

Hammerstein-Equord im Urteil der Historiker [Bearbeiten]

Von den meisten Zeitgenossen wurde Hammerstein als kluger und begabter Generalstäbler beschrieben, der jedoch auf seine Mitmenschen skeptisch, spöttisch, kühl und überlegen wirkte. Er machte keinen Hehl daraus, dass ihn das Militärisch-Handwerkliche wenig interessierte, was nicht bedeutete, dass er nicht talentiert war. Einem Adjutanten erklärte er seinen Führungsstil einmal so:

"Machen Sie sich frei von Kleinarbeit. Dazu halten Sie sich einige wenige kluge Leute. Lassen Sie sich aber viel Zeit, sich Gedanken zu machen und sich vor sich selbst ganz klar zu werden. Sorgen Sie dafür, dass Ihre Gedanken ausgeführt werden. Nur so können Sie richtig führen."

In politischer Hinsicht war er ein Gegner aller radikalen Richtungen. Dies brachte ihn schon früh in Gegensatz zum Nationalsozialismus, dessen entschiedener Gegner er wurde. Schon anlässlich des nationalsozialistischen Putschversuches im Jahre 1923 äußerte er: "In München ist ein Gefreiter Hitler verrückt geworden." Sogar nach der "Machtergreifung" sprach er vor fremden Offizieren während der Herbstmanöver im Jahre 1933 von den Nationalsozialisten als "Verbrecherbande und Schweinigels". Gerade diese Einstellung war es, die Groener und Brünung 1930 veranlasst hatte, ihn zum Chef der Heeresleitung zu ernennen. Angeblich wollte Hammerstein auch sofort nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler seinen Abschied einreichen, wovon ihn sein Freund Kurt von Schleicher jedoch abhielt. Er hätte in der Folgezeit ein Gegengewicht zur pro-nationalsozialistischen Reichswehrspitze (Werner von Blomberg und Walter von Reichenau) bilden können, aber dies geschah nicht. Die von vielen Zeitzeugen beschriebene Bequemlichkeit und das mangelnde Interesse an organisatorischer Tätigkeit ließen Hammerstein passiv bleiben. Auf diese Art isolierte er sich mehr und mehr und konnte seine Position bald nicht mehr behaupten.

Literatur [Bearbeiten]

  • Görlitz, Walter: Geschichte des deutschen Generalstabs von 1650 - 1945, Augsburg 1997.
  • Hammerstein-Equord, Ludwig von: Kurt von Hammerstein-Equord (ungedrucktes Manuskript).
  • Müller, Klaus-Jürgen: Das Heer und Hitler, Stuttgart 1969.
  • Plessen, Reinhard von: Über das Widerstehen - Hammerstein - Eine Familie gegen den Nationalsozialismus, in: Information für die Truppe 7 (Juli 1994), S.40-47.
  • Wohlfeil, Rainer: Reichswehr und Politik 1918 – 1933, München 1983 (= Deutsche Militärgeschichte VI).

Weblinks [Bearbeiten]

Einklappen
 
< zurück   weiter >
by pRe
© 2017 Familienverband der Freiherren von Hammerstein
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.